Postgeschichtliche Sammelobjekte aus dem Stadtteilarchiv

Für den Anfang haben wir drei Belege ausgesucht, die viel über die vergangene Zeit erzählen. Diese Briefe mögen für Philatelisten interessant sein, aber nur von geringem Sammlerwert (für uns Liebhaber der Heimat Rahlstedt aber viel Aussagekraft besitzen).

 

Brief von Hamburg nach Alt-Rahlstedt von 1868

Dieser Brief wurde am 30.07.1868 in der Post Expedition 3 in Hamburg aufgegeben. Die Briefmarke stammt vom Norddeutschen Postbezirk (der Postverwaltung des Norddeutschen Bundes), zu der damals Hamburg und auch Wandsbek gehörten. Die Marke hat noch keine Zähnung. Zur leichteren Trennung ist sie bereits durchstochen. Aber was sehen wir noch:

  • Postleitzahlen gab es nicht, es reichte Alt-Rahlstedt mit dem Hinweis hinter Wandsbeck
  • Wandsbeck wurde noch mit ck geschrieben
  • Wenn wir die Rückseite betrachten, sehen wir einen Stempel AUSG.ABE. Der Brief wurde also in Wandsbek an den Empfänger oder einen Beauftragten ausgegeben.

Gerade der letzte Punkt sagt uns einiges über Alt-Rahlstedt. Damals gab es in Alt-Rahlstedt noch kein Postamt. Die Gemeinde musste selbst organisatorische Maßnahmen treffen, um die Post in Wandsbek abzuholen.

Brief von Hamburg nach Alt-Rahlstedt (Vorderseite)

Brief von Hamburg nach Alt-Rahlstedt (Rückseite)

 

 

Cholerabrief

Dieser Brief wurde am 22.10.1898 zwischen 13.00 und 14.00 Uhr in Alt Rahlstedt nach Heiligenhafen versandt. Auf der Adressseite sieht man wellenförmige Linien. Diese wurden durch ein heißes Brenneisen angebracht. Der Sinn war, dass durch den eindringenden Rauch der Brief gegen Cholera desinfiziert wurde.
Auf der Rückseite des Briefes sehen wir den Ankunftsstempel aus Heiligenhafen. Der Brief war also am gleichen Tag zwischen 21.00 und 22.00 Uhr im Postamt in Heiligenhafen.
Ob das die Deutsche Post heute noch schafft?

Cholerabrief - Adresseite

Cholerabrief - Rückseite

 

Brief mit Zehnfach-Frankatur aus Rahlstedt

Dieser Brief wurde am 22.06.1948 in Rahlstedt nach Minden versandt. Es ist ein normaler Geschäftsbrief ohne gebührenpflichtige Zusatzleistungen. Trotzdem beträgt das Porto RM 2,40 und ist gebührengerecht frankiert. Der Grund für das hohe Porto ist: Am 20.06.1948 wurde die Währung von Reichsmark auf Deutsche Mark umgestellt (Währungsreform). Ab dem 21.06.1948 wurde an den Postschaltern Briefmarken mit einem neuen Aufdruck (Posthorn) ausgegeben. Alte Marken (der alten Währung) durften am 21. und 22.06. zu einem Zehntel ihres Nennwertes benutzt werden.
Das Vorkommen von Briefen mit Zehnfach-Frankatur ist nicht sehr selten. Aber der Bürgerverein freut sich, einen Brief mit einem Stempel aus Rahlstedt präsentieren zu können.

 Brief mit Zehnfach-Frankatur aus Rahlstedt

alle Fotos aus der postgeschichtlichen Sammlung des Bürgervereins Rahlstedt